Editorial

Die Mobilität im öffentlichen Verkehr entwickelt sich stetig weiter – digitaler, koordinierter und stärker vernetzt. Die aktuelle Ausgabe unseres Newsletters beleuchtet verschiedene Entwicklungen und Projekte, die den öffentlichen Verkehr im Kanton Bern prägen und weiter voranbringen.
Im Fokus stehen die Digitalisierung des Bestellverfahrens mit der neuen Fachanwendung ORBIT. Zudem werfen wir einen Blick auf die neuen Zielvereinbarungen im regionalen Personenverkehr, die die Zusammenarbeit zwischen Bestellern und Transportunternehmen langfristig stärken sollen.
Ausserdem zeigen wir auf, wie Gemeinden und Unternehmen mit neuen Angeboten im Mobilitätsmanagement unterstützt werden. Und unsere Rubrik «Die Zahl» macht deutlich, wie hoch die Dynamik bei der Schieneninfrastruktur ist.
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und danken Ihnen für Ihr Interesse an den Entwicklungen im öffentlichen Verkehr des Kantons Bern.
Katja Bessire und Christian Aebi, Co-Vorstehende Amt für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination
Ersterarbeitung von Zielvereinbarungen zwischen Bestellern und Transportunternehmen im Kanton Bern
Gemeinsam mit den Transportunternehmen und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) hat das AÖV im Jahr 2025 erstmals Zielvereinbarungen zum (regionalen) Personenverkehr erarbeitet. Aufgrund der Anzahl von Zielvereinbarungen, die im Kanton Bern zu erarbeiten war, hat sich das AÖV entschieden, Zielvereinbarungen des Typs «small» zu erarbeiten. Dank der Inputs der beteiligten Partnern konnten verschiedenste Thematiken, die ausserhalb der Zielvereinbarung schwierig gemeinsam zu regeln sind, verhandelt und für die nächsten vier Jahre zwischen den Bestellern und den Transportunternehmen abgemacht werden. Das AÖV bedankt sich bei allen für die konstruktive Zusammenarbeit.
Seit dem 1. Januar 2025 ist Artikel 31ater des revidierten Personenbeförderungsgesetzes (PBG, SR 745.1) in Kraft. Damit wurde für Bund und Kanton die Pflicht eingeführt, im regionalen Personenverkehr (RPV) Zielvereinbarungen zwischen den Transportunternehmen (TU) und den Bestellern abzuschliessen. Zielvereinbarungen sollen dazu beitragen, die Verbindlichkeit der Mittelfristplanung zu verbessern, indem Angebots-, Qualitäts- und finanzielle Ziele über vier bis sechs Jahre vereinbart werden. Die Zielvereinbarungen ermöglichen es zudem, dass Grundsätze der Zusammenarbeit, die in anderen Prozessen schwerlich adressiert werden können, behandelt werden. Damit wird die Transparenz und das Vertrauen gestärkt, Strukturen vereinfacht und Abläufe harmonisiert, die den ÖV insgesamt als Service public stärken.
Langfristig sollen die Zielvereinbarungen auch dazu beitragen, das Bestellverfahren zu entlasten, indem die Besteller und die TU über das Angebot und die damit verbundenen Kosten über die nächsten zwei Fahrplanjahre verhandeln und schliesslich bestellen. Dies wird möglich, sobald in den Zielvereinbarungen ein Kostenrahmen für die nächsten vier bis sechs Jahre in der Form von Zielwerten vorverhandelt wird. Dies immer mit dem Ziel einer Kostensenkung im ÖV.
Um die verschiedenen Bedürfnisse der Kantone, basierend auf deren bestehenden Prozesse und Instrumente im Bestellverfahren, zu berücksichtigen, hat das Bundesamt für Verkehr verschiedene Zielvereinbarungstypen vorgeschlagen, in denen unterschiedliche Ziele und Konsequenzen für den Fall, dass diese verfehlt würden, vereinbart werden.
Da der Kanton Bern vor dem revidierten Personenbeförderungsgesetz noch keine Erfahrungen mit dem Instrument der Zielvereinbarungen gesammelt hatte, stand das AÖV im Winter 2025 vor der Herausforderung, bei insgesamt 18 Zielvereinbarungen mitzuwirken. Um sachte in die Thematik einsteigen zu können, hat sich das AÖV darauf festgelegt, grundsätzlich Zielvereinbarungen vom Typ «small», d. h. eine Art Zusammenarbeitsvertrag, mit den TU und den Mitbestellern zu erarbeiten. Trotzdem wurden während etwa 9 Monaten ca. 70 Sitzungen mit den jeweils beteiligten Parteien abgehalten.

Im Frühling 2025 startete der eigentliche Erarbeitungsprozess. Für die nationalen TU wurde diskutiert, wie die Linien sinnvoll auf verschiedene Besteller und Zielvereinbarungen aufgeteilt werden können. Im AÖV wurden mögliche Themen für die Zielvereinbarungen pro TU gesammelt. Dabei wurde schnell klar, dass die Zielvereinbarungstypen nicht starr betrachtet werden können, sondern dass es je nach Fall auch möglich sein muss, etwa Qualitätsziele in einem Typ «small» abmachen zu können – auch wenn keine konkreten Konsequenzen daran gebunden werden. Ebenfalls stellte sich in dieser Phase die Frage, wie die Inhalte effizient und so abgestimmt, dass sie den Forderungen der Besteller und auch der TU genügen, erarbeitet werden können. Zu diesem Zweck stellte sich das AÖV zur Verfügung, um mit den SBB eine Pilotzielvereinbarung des Typs «small» für den Perimeter Arc Jurassien in einer intensiven Zusammenarbeit mit dem BAV zu erarbeiten. Damit konnte das AÖV Formulierungen und Anforderungen mit einer TU vorgängig challengen und abstimmen, wodurch ein solides Grundgerüst einer Zielvereinbarung vom Typ «small» entstand.
Mit diesem Grundgerüst wurden ab dem Sommer 2025 erste Gespräche mit allen weiteren TU geführt, wobei verschiedenste Vorschläge zu weiteren Inhalten von deren Seite wiederum in alle Zielvereinbarungen eingebaut wurden. Es folgte ein iterativer Prozess, indem sich die Inhalte der Zielvereinbarungen dank den Anmerkungen und Ergänzungen aller TUs nach und nach entwickelten und konkretisierten. Dank der Vorarbeit aus der Pilotzielvereinbarung mit den SBB, den konstruktiven Inputs der weiteren Transportunternehmen und der nationalen Abstimmung unter allen Bestellern, konnten die Zielvereinbarungen, für die nicht nationalen TU im Kanton Bern in den meisten Fällen in zwei bis vier Sitzungen noch im Jahr 2025 inhaltlich abgeschlossen werden. Festgehalten wurden, neben den voraussichtlichen Betriebsmitteln und Angebotsentwicklungen, etwa Grundsätze, wonach sich Qualität, Distribution, Marketing, Fahrausweiskontrollen oder die Energiestrategie der Unternehmen richten soll.
Das AÖV bedankt sich bei allen Beteiligten für die konstruktive Mitarbeit an den ersten Zielvereinbarungen im Kanton Bern und freut sich darauf, das Instrument auch dank der Inputs der TU bis zur nächsten Erarbeitung konzeptuell weiterzuentwickeln.
Mobilitätsmanagement: Unterstützung zur Gestaltung der Mobilität

An welche Stelle kann sich eine Firma wenden, wenn die Anzahl ihrer Mitarbeitenden wächst aber nicht die Anzahl Parkplätze? Kann auch eine kleine Gemeinde die geteilte Mobilität fördern? Wo findet ein Bauherr Unterstützung, wenn er ein Mobilitätskonzept erstellen muss? Eine neue Themenseite auf dem Internet des Kantons Bern zeigt Förderprogramm, Initiativen und Grundlagen zum Mobilitätsmanagement auf.
Mobilitätsmanagement gewinnt insbesondere aufgrund knapper Bodenressourcen, wachsender Mobilitätsbedürfnisse und beschränkter Finanzen zunehmend an Bedeutung. Das Mobilitätsmanagement zielt auf einen effizienten und umweltverträglichen Verkehr ab. Es setzt mit Kommunikation, Sensibilisierung und Organisation bei der Nachfrage an. Mittels einer ausgewogenen Mischung aus Pull- und Push-Massnahmen in den Bereichen Kommunikation, Service, Infrastruktur und Organisation wird den Verkehrsteilnehmenden die Möglichkeit geboten, ihr Mobilitätsverhalten auf eine nachhaltige Weise zu optimieren. Massnahmen des Mobilitätsmanagements sind im Vergleich zu Infrastrukturausbauten rascher und kostengünstiger umsetzbar.
Neue Angebote für Gemeinden und Unternehmen
Programme und Initiativen unterstützen neuerdings die Implementierung von Mobilitätsmanagementmassnahmen oder die Erarbeitung von Mobilitätskonzepten. Beispielsweise unterstützt der Kanton mit dem Berner Klimaprogramm für Gemeinden die Erstellung eines kommunalen Mobilitätsmanagementkonzepts mit bis zu 50 % der externen Beratungskosten. Zudem profitieren Bernische Gemeinden im Jahr 2026 beim Programm Shared Mobility Booster von einer kostenlosen Beratung. Das Programm ist auf kleinere Gemeinden ausgerichtet, wo das Potential oft noch nicht ausgeschöpft ist. Auch Unternehmen können Unterstützung in Anspruch nehmen - egal wie lange sie sich schon mit Mobilität auseinandersetzen. Kennenlerngespräch, Innovationssprints zur konkreten Umsetzung von Massnahmen, Projektförderung, Vernetzung: die Fachstelle «nachhaltige Mobilität in Unternehmen» bietet vielfältige Unterstützungsangebote.
Eine Themenseite mit viel Ressourcen
Auf der neuen Themenseite «Mobilitätsmanagement» der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern werden die verschiedenen Angebote aufgezeigt und viele wertvolle Links aufgeführt.
Da entdeckt man auch, wie der Kanton als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangeht – und dank dem eigenen Mobilitätsmanagement BEmobil unter anderem der Anteil Elektromotoren der Dienstfahrzeugflotte in den letzten fünf Jahren von knapp 10% auf rund 25% steigern konnte.
Entdecken Sie die neue Themenseite:
Weitere Links:
Digitales Bestellverfahren im öffentlichen Verkehr - Einführung ORBIT

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat im Frühling 2026 mit der Anwendung «ORBIT» das Bestellverfahren im öffentlichen Verkehr digitalisiert. Der Kanton Bern ist bereits seit 2020 mit der Anwendung «OLIVIA» mit den Transportunternehmen digital unterwegs. Nun gilt es die Schnittstellen zwischen ORBIT und OLIVIA aufzubauen.
Damit der öffentliche Verkehr bestellt und bezahlt wird, verlangten Bund und Kantone bei den Transportunternehmen (TU) bis vor wenigen Jahren die entsprechenden Offerten in Papierform. Schrittweise wurde dann zur elektronischen Abgabe übergegangen. So digitalisierte der Kanton Bern das Offertenverfahren im Jahr 2020 mit der Einführung der Datenbank «OLIVIA». Seither reichen die Transportunternehmen die zur Offerte gehörenden Daten im Kanton Bern beim AÖV digital ein. Von Anfang an wurden diese Informationen mit allen Bestellern eines Unternehmens (also bspw. auch mit dem Bund und mit Nachbarkantonen) mit den entsprechenden Logins auf die Datenbank geteilt. Dadurch verfügen alle Beteiligten jederzeit über die gleichen Informationen.
Im Frühling 2026 hat nun auch der Bund für die Offerten, die die Transportunternehmen im Regionalen Personenverkehr einreichen müssen, die digitale Datenbank namens «ORBIT» in Betrieb genommen.
Die Fachanwendung ORBIT (Bund) wie auch OLIVIA (Kanton Bern) umfasst viele über die blosse Offerterfassung hinausgehende Arbeitsschritte. So erstellt das AÖV mit OLIVIA beispielsweise auch die Angebotsvereinbarungen oder übermittelt damit die Abgeltungszahlen an die Transportunternehmen. Die vorgesehene Schnittstelle zwischen der kantonalen und der nationalen Anwendung wird einen weiteren Effizienzsprung im Bestellverfahren im öffentlichen Verkehr ermöglichen und insbesondere Medienbrüche und damit Fehlerquellen beseitigen.
Diese Schnittstelle zwischen OLIVIA und ORBIT wird im Jahr 2027 durch den Kanton Bern realisiert. Das bedeutet für die TU, dass sie ihre Daten in künftigen Verfahren nur noch in ORBIT einpflegen müssen.
"Die Zahl": 54 Anzahl PGV im Jahr 2025

54 Plangenehmigungsverfahren (PGV) pro Jahr oder anders gesagt: pro Woche geht ein PGV, das ein Projekt im Kanton Bern betrifft, im AÖV über den Schreibtisch. Diese Zahl markiert den langjährigen Mittelwert der Plangenehmigungsverfahren (PGV) im Kanton Bern. Und dies ohne die zahlreichen Projektänderungen, die zusätzlich bearbeitet wurden.
Das PGV ist das zentrale Instrument des Bundes zur Bewilligung von Infrastrukturprojekten im öffentlichen Verkehr. Es bündelt sämtliche relevanten Prüfungen – von Umwelt- und Raumplanungsaspekten bis hin zu technischen Anforderungen – in einem koordinierten Verfahren auf Bundesebene.
Der Kanton übernimmt dabei eine wichtige Rolle: Er vertritt regionale Interessen, prüft die Projekte fachlich, koordiniert Stellungnahmen der betroffenen Fachstellen und Gemeinden und bringt seine raum- und verkehrsplanerische Perspektive in das Verfahren ein.
In den letzten Jahren zeigt sich eine anhaltend hohe Dynamik: Die Projektpipeline ist gut gefüllt und zahlreiche Vorhaben befinden sich gleichzeitig in Planung oder Umsetzung. Angebotsausbauten, Substanzerhalt und Kapazitätsanpassungen treiben die Entwicklung zusätzlich an.
Für die kommenden Jahre ist weiterhin mit einer hohen Dichte an Ausbau-, Erneuerungs- und Umbauprojekten zu rechnen.
Das PGV bleibt damit ein zentrales Nadelöhr – und zugleich ein entscheidender Hebel für die Weiterentwicklung einer leistungsfähigen ÖV-Infrastruktur.