Hochwasserschutzprojekt für Berner Quartiere nimmt Fahrt auf

Hochwasserereignisse haben in der Vergangenheit grosse Schäden in den Quartieren entlang der Aare verursacht. Durch das über rund acht Jahre angelegte Projekt Gebietsschutz Quartiere an der Aare soll das dicht besiedelte Berner Stadtgebiet künftig wirksam vor Hochwasser und dessen Folgen geschützt werden. Bauherrin ist die Stadt Bern. Das TBA nutzt das Projekt, um zeitgleich Ufersanierungen durchzuführen.
Die Quartiere entlang der Aare sind aktuell nicht ausreichend vor Hochwasser geschützt. Das zeigen die Hochwasserereignisse von 1999 und 2005, die grosse Schäden verursacht haben. Klimastudien zeigen, dass extreme Niederschläge infolge der globalen Erwärmung in Zukunft häufiger auftreten werden, wodurch auch in Bern das Hochwasserrisiko steigt. Warin Bertschi, Bereichsleiter Wasserbau im Oberingenieurkreis II, erläutert: «Die fünf grössten gemessenen Hochwasserabflüsse, in einer mehr als 100 Jahre alten Messreihe, haben in den letzten 25 Jahren stattgefunden. Das zeigt uns, dass gehandelt werden muss.» Im Ernstfall kommen derzeit mobile Hochwasserschutzmassnahmen zum Einsatz. Ihre Inbetriebnahme ist jedoch aufwendig und erfordert eine ausreichende Vorlaufzeit. Wenn der Wasserpegel zu schnell steigt, bieten sie zudem keinen genügenden Schutz. Auch diese mobilen Massnahmen für den Hochwasserschutz sind nicht kostenlos und müssen alle paar Jahre erneuert werden. Nicht zu vergessen sind die Feuerwehreinsätze, die im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen notwendig werden. Sie verursachen nicht nur Kosten, sondern beanspruchen auch umfangreiche personelle und materielle Ressourcen der Feuerwehr. Dadurch ist deren Einsatzbereitschaft für andere Einsätze zeitweise eingeschränkt.

Warum die Stollen-Variante verworfen wurde
Ursprünglich wurde neben der sich aktuell in Umsetzung befindlichen Variante des Hochwasserschutzprojekts auch die Variante «Stollen Dalmazi–Seftau» vertieft geprüft. Diese sah einen Entlastungsstollen zwischen der Dalmazibrücke und dem Wasserkraftwerk Felsenau vor. Die Prüfung ergab, dass die Möglichkeit eines Störfalls – im Falle eines Extremhochwassers mit katastrophalen Folgen – nicht komplett ausgeschlossen werden kann. Zudem schnitt die Variante mit dem Stollen auch wegen der unsicheren Geologie, wegen des aus Sicht des Denkmalschutzes fragwürdigen Einlaufbauwerks, wegen der Gefahr der Verstopfung durch Schwemmholz und wegen der um rund 35 Millionen Franken höheren Investitionskosten sowie deutlich höheren Unterhalts- und Betriebskosten schlechter ab als die Vergleichsvariante. Aus diesen Gründen wurde sie nicht weiterverfolgt.
Schutz vor dem Wasser: Kombination verschiedener Massnahmen
Das Projekt Hochwasserschutz Aare Bern zielt auf den langfristigen Schutz der aarenahen Quartiere zwischen dem Tierpark Bern und der Engehalde vor Hochwassern ab. Die zu schützende Strecke beträgt rund sechs Kilometer. Zu den umfassenden baulichen Massnahmen gehören Schutzmauern, Geländemodellierungen, Vorkehrungen gegen Verklausungen (Verstopfungen durch Schwemmholz) sowie Massnahmen gegen ansteigendes Grundwasser. Gleichzeitig werden die teilweise veralteten Uferverbauungen saniert, Werkleitungen erneuert und die Siedlungsentwässerung angepasst.

Kanton nutzt Synergien und saniert «Zahnlücken»
Ergänzend sind ökologische Aufwertungen vorgesehen, beispielsweise beim Gaswerkareal und in den Englischen Anlagen gegenüber der Matte. Die Bauarbeiten haben im September 2025 begonnen und dauern gemäss aktueller Planung rund acht Jahre. Während die gewässernahen Arbeiten überwiegend in den Wintermonaten stattfinden, werden alle anderen Bauarbeiten ganzjährig ausgeführt. Teile des Projekts sind rechtskräftig bewilligt, im Bereich Matte und Altenberg hingegen sind aktuell noch Beschwerden gegen den Wasserbauplan hängig.

Stadt und Kanton Bern arbeiten Hand in Hand
Da der Kanton an der Aare wasserbaupflichtig ist, wäre grundsätzlich auch der Hochwasserschutz der Stadt Bern Sache des Kantons. Weil das Hochwasserschutzprojekt der Stadt Bern bei der Übergabe der Wasserbaupflicht an den Kanton am 1. Januar 2015 aber bereits weit fortgeschritten war, einigten sich Kanton und Stadt darauf, dass die Stadt Bern das Projekt zu Ende führt. Der ordentliche Gewässerunterhalt an der Aare oder die periodischen Kiesentnahmen im Schwellenmätteli sind allerdings bereits heute Aufgabe des Kantons. Die Kiesentnahmen müssen in regelmässigen Abständen durchgeführt werden, damit das Wasser besser abfliessen kann. Somit sind die umliegenden Quartiere wirksamer vor Hochwasser geschützt.
Beim Hochwasserschutzprojekt Aare Bern hat der Kanton eine Mehrfachrolle: Einerseits ist er die formelle Leitbehörde für das Wasserbauprojekt der Stadt Bern und koordiniert das Bewilligungsverfahren, andererseits sorgt er dafür, dass die Finanzierung durch Kantons- und Bundesbeiträge gesichert ist. Zudem saniert das TBA diejenigen Uferböschungen, welche nicht Teil des städtischen Wasserbauprojekts sind, um Synergien nutzen zu können. Beim Start des Gesamtprojekts vor mehr als zehn Jahren wurde eine durchgehende Sanierung als nicht notwendig eingeschätzt. Seitdem hat sich der Uferzustand durch Hochwasser jedoch an einigen Stellen massiv verschlechtert und im städtischen Projekt sind «Zahnlücken» entstanden. Daher führt das TBA diesen Winter zudem eine Ufersanierung vom Eichholz bis zum Marzili durch. Ziel ist es, die Ufer vor Erosion zu schützen; dazu werden die Ufer mit Blöcken verbaut, die bis in die Aare hineinreichen.
Normales Projekt mit gewissen Anforderungen
Bautechnisch betrachtet handelt es sich bei der Ufersanierung, die der Kanton durchführt, um ein Standardprojekt mit einer Baupiste in der Aare, erklärt Warin Bertschi. «Das Bauen im urbanen Raum ist aber immer eine Herausforderung», so der Bereichsleiter Wasserbau Oberingenieurkreis II. «Bisher verläuft der Bau insgesamt gut.» Grossen Wert wird darauf gelegt, die alten Bäume so gut wie möglich zu schonen. Besonders die 100-jährigen Eichen am oberen Ende der Böschungen müssen behutsam behandelt werden, da sie einen wertvollen Baumbestand darstellen. Warin Bertschi bringt es auf den Punkt: «Nachhaltiger Hochwasserschutz bedeutet immer auch, Verantwortung für die Natur zu übernehmen.»



«Bei diesem einzigartigen Projekt ist der ganzheitliche Ansatz wichtig.»

Michael Spahni (rechts), Gesamtprojektleiter des Projekts Gebietsschutz an der Aare von Tiefbau Stadt Bern und Warin Bertschi, Bereichsleiter Wasserbau im Oberingenieurkreis II, erzählen «Im Gespräch» von den ersten Monaten dieses langjährigen Projekts, von ihren Herausforderungen und davon, wie Stadt und Kanton Bern zusammenarbeiten.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kanton in diesem Projekt – gerade weil der Kanton eine Doppelrolle hat?
Bertschi: Der Kanton Bern übernimmt vor allem die Rolle der Leitbehörde. Zudem stehen wir der Stadt im Sinne des Vieraugenprinzips beratend zur Seite, beispielsweise bei Ausschreibungen, da wir als Bauherr über viel Erfahrung beim Bauen an der Aare verfügen. Generell lassen wir jedoch die Stadt eigenständig planen und handeln.
Spahni: Dem kann ich nur zustimmen. Stadt und Kanton arbeiten eng zusammen – bei der Planung, bei den Bewilligungen, in Finanzierungsfragen und in allen Bauphasen. Die Stadt übernimmt die Projektleitung, während der Kanton die wasserbauliche Fachverantwortung trägt. Damit am Ende alles passt, stimmen wir uns laufend ab: Technisch, rechtlich und in Bezug auf die Raumplanung. Das funktioniert bislang sehr gut. Der Kanton gibt uns viel Freiheit und vertraut unserer Arbeit sehr. Im Gegenzug legen wir Wert darauf, unsere Arbeit einwandfrei zu erledigen und den Kanton bei wichtigen Entscheidungen aktiv einzubeziehen.
Das Projekt geht nach Fertigstellung an den Kanton über. Wie wird sichergestellt, dass die Ergebnisse für den Kanton langfristig passen?
Bertschi: Wir sind bei den Bauarbeiten häufig vor Ort, insbesondere bei der Abnahme einzelner Bauwerksabschnitte. Als Fachstelle begleiten wir diese Prozesse und weisen als zukünftiger Betreiber der Anlage auf etwaige Auffälligkeiten hin. Durch unsere Beteiligung bei der Abnahme von Musterstrecken gewährleisten wir, dass das Projektergebnis unseren Qualitätsansprüchen entspricht, beispielsweise hinsichtlich der Ausführung eines Blocksatzes. Es ist jedoch nicht vorgesehen, jedes Detail zu überprüfen. Die Zusammenarbeit basiert auch auf dem Vertrauen, dass die Stadt als professionelle Bauherrin dieselben Qualitätsstandards einhält wie wir und die Arbeiten nachhaltig ausführt.
Gibt es weitere «Zahnlücken», also Orte, an denen aus heutiger Sicht Sanierungsmassnahmen notwendig sind und Synergien mit dem Gesamtprojekt genutzt werden können?
Bertschi: Die lange Phase zwischen Projektierung und Umsetzung hat dazu geführt, dass sich der Zustand des Ufers an verschiedenen Abschnitten deutlich verschlechtert hat. Deshalb nutzt das TBA die Bauarbeiten der Stadt für Sanierungen auf der linken Uferseite von der Gemeindegrenze Köniz/Bern bis zum Marzili. Auch auf der gegenüberliegenden Seite besteht ein zusätzlicher Sanierungsbedarf.
Spahni: Richtig, beim Dalmaziquartier. Sobald der Termin für die Realisierungsphase feststeht, stimmen wir uns frühzeitig mit dem Kanton ab.
Wie sind die ersten Monate dieses langjährigen Projekts verlaufen?
Spahni: Nachdem wir im Mai 2025 die Teilbaubewilligung unter anderem für das Gaswerkareal und das Marzili erhalten hatten, mussten wir innerhalb kurzer Zeit die Bauplanung abschliessen, die Ausschreibung für das Bauunternehmen starten, uns mit angrenzenden Projekten abstimmen, das Schwimm- und Badeverbot regeln und gleichzeitig die Kommunikation mit der Öffentlichkeit verstärken. Die Wochen waren intensiv, geprägt von zahlreichen Sitzungen, langen Arbeitstagen und ständig neuen Herausforderungen. Diese reichten von der praktischen Umsetzung des Schwimmverbots über die Auswahl des passenden Belags für den Uferweg im Gaswerkareal bis hin zu Massnahmen zum Schutz der Bäume vor dem Biber. Dabei konnten wir viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Während der laufenden ersten Bauphase am Gaswerkareal und im Marzili hatten wir bisher grosses Wetterglück und durchgehend niedrige Abflusswerte der Aare. Das üblicherweise auftretende «Weihnachtshochwasser» blieb dieses Jahr aus, so dass wir die Bauarbeiten nie unterbrechen mussten.
Bertschi: Das gesamte Projektmanagement wurde erfolgreich etabliert und hat sich gut eingespielt. Alles läuft reibungslos.
Wo konnten Synergien genutzt werden?
Spahni: Ein gutes Beispiel für Synergien ist die enge Abstimmung mit den anderen Bau- und Sanierungsprojekten entlang der Aare. So finden die Sanierung des Freibads Marzili und die Erneuerung der Werkleitungen durch ewb parallel zu den Arbeiten für den Hochwasserschutz statt. Dadurch wird Zeit gespart und wir können doppelte Baustellen vermeiden. Auch bei der kantonalen Kiesentnahme im Schwellenmätteli ist uns eine reibungslose Abstimmung gelungen. Einen Teil des gewonnenen Kieses haben wir direkt für den Bau der Baustellenpiste im Gaswerkareal verwendet und so Transportwege eingespart. Solche Synergien entlasten nicht nur uns, sondern auch die Anwohnenden, da sich Bauphasen bündeln und Eingriffe reduzieren lassen.
Bertschi: Für uns war es wichtig, das kantonale Projekt zur Sanierung der «Zahnlücke» auf der linken Uferseite zeitgleich umzusetzen. Es wäre ungünstig gewesen, wenn wir in ein oder zwei Jahren erneut eine Baupiste in der Aare für die kantonale Ufersanierung hätten errichten müssen.
Wie informieren Stadt und Kanton über Risiken, Baufortschritt und Einschränkungen? Welche Kanäle funktionieren am besten?
Spahni: Wir setzen auf eine breite Palette an Informationskanälen. Die Projektwebseite bietet laufend aktuelle Infos, ein Erklärvideo und regelmässige Updates. Wichtige Hinweise zu Bauphasen oder Einschränkungen, wie etwa das Schwimm- und Bootsverbot, kommunizieren wir zusätzlich per Briefkastenflyer an die Anwohnenden sowie über Medienmitteilungen und Social-Media-Beiträge der Stadt. Ergänzt wird das Ganze durch Informationsveranstaltungen und Führungen vor Ort, bei denen sich die Teilnehmenden direkt ein Bild machen können. Entlang der Aare sorgen zudem Signaltafeln und Sicherheitshinweise für Orientierung. Was am besten funktioniert, ist schwer zu sagen: Ich denke, die Mischung macht’s. Entscheidend ist, dass die Infos rechtzeitig, verständlich und auf verschiedenen Wegen bei der Bevölkerung ankommen.
Bertschi: Der Kanton führt keine getrennte Kommunikation durch, sondern verwendet gemeinsam mit der Stadt deren vielfältige Kanäle. Nach aussen ist sowieso schwer ersichtlich, von wem die einzelnen Massnahmen beauftragt wurden.
Spahni: Wir verstehen uns als ein gemeinsames Projektteam; den Menschen ist es letztlich egal, wer das Ufer tatsächlich erneuert. Entscheidend ist vielmehr, dass unsere Kommunikation stimmig und einheitlich erfolgt.
Wo liegen aktuell die grössten Herausforderungen?
Bertschi: Aus Sicht der Leitbehörde ist die Genehmigung des Gesamtprojekts sehr wichtig, damit auch die anschliessenden Perimeter realisiert werden können.
Spahni: Das A und O bei dieser Baustelle ist das Wetter. Wir hoffen weiterhin auf möglichst geringe Abflussmengen der Aare. Herausfordernd ist die Fülle an verschiedenen Themen, die es zu koordinieren gilt: Wir müssen die verschiedenen Phasen parallel am Laufen halten. Einerseits haben wir aktuelle Baustellen, andererseits bereiten wir bereits die nächsten Bauabschnitte vor. Gleichzeitig kümmern wir uns gemeinsam mit dem Kanton um das weitere Bewilligungsverfahren und die noch hängigen Beschwerden. Zudem sind wir daran, einen funktionierenden Terminplan für die nächsten Jahre aufzustellen. Wir koordinieren uns mit vielen Drittprojekten, regeln Landbeanspruchungen mit Privatpersonen, kümmern uns um eine einwandfreie Kommunikation und führen Baustellenbesichtigungen durch.
Welche Erfahrungen aus diesem Projekt sind für zukünftige Hochwasserschutzprojekte besonders wertvoll?
Bertschi: Das Hochwasserschutzprojekt in Bern ist einzigartig. Die Erfahrungen, die wir bei dem anspruchsvollen innerstädtischen Bau gesammelt haben, könnten für Städte wie Interlaken oder Thun hilfreich sein, beispielsweise bei der Gestaltung von Hochwasserschutzmauern unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes. Dennoch bleibt jedes Projekt individuell und stellt neue Herausforderungen.
Spahni: Bei diesem Projekt ist der ganzheitliche Ansatz wichtig: Der Hochwasserschutz wurde von Anfang an gemeinsam mit anderen Themen geplant, etwa mit ökologischen Verbesserungen, der Sanierung von Werkleitungen, der Nutzung für Erholung und eben auch dem Denkmalschutz. So lassen sich gute, langfristige Lösungen finden, auch wenn sich dies nicht eins zu eins auf andere Projekte übertragen lässt. Bewährt hat sich auch die enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Stadt und Kanton, denn bei so komplexen Projekten ist diese schlicht unerlässlich.
Wenn Sie das Projekt in einem Satz beschreiben müssten – wie würde der lauten?
Spahni: In diesem einzigartigen Projekt lerne ich jeden Tag etwas Neues, sei es fachlich, organisatorisch oder im Umgang mit den verschiedenen Beteiligten.
Bertschi: Es ist sehr schön, dass wir nach einer fast 20-jährigen Planungsphase endlich mit der Umsetzung beginnen können.


Mehr Sicherheit, mehr Natur: Der neue Kreisel in Wiedlisbach steht für doppelten Fortschritt

Der Verkehrsknoten Winkel zwischen der Wangenstrasse und der Entlastungsstrasse in Wiedlisbach ist stark frequentiert und es kam in der Vergangenheit zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Dies war Anlass, mit einem Kreisel die Situation zu entschärfen und die Sicherheit zu erhöhen. Klimagerecht wurden die freiwerdenden Flächen nicht nur begrünt, sondern ökologisch aufgewertet.
Wer ab der Autobahn A1 von Süden her nach Wiedlisbach fuhr, traf bis Anfang 2025 auf eine unübersichtliche Kreuzung mit Abbiegespuren und Sperrflächen. Das Tempo auf der Bielstrasse war generell erhöht, was das Einbiegen aus der Wangenstrasse gefährlich machte. Die topografisch abgesenkte Lage des Verkehrsknotens erschwerte das Anfahren zusätzlich. Die Verkehrssicherheit war unzureichend, weshalb auch in Zusammenhang mit dem Sechsspurausbau der Autobahn A1 zwischen Luterbach und Härkingen ein Umbau des Knotens ins Auge gefasst wurde. Ziel war es, die Strassensanierung vor der Grossbaustelle für den Autobahnausbau realisieren zu können. So entstand ein neuer Kreisel mit lärmminderndem Asphaltbelag, die Strassenentwässerung wurde saniert und die Strassenbeleuchtung auf den neuesten Stand der Technik gebracht.
Enger Zeitplan
Im Sommer 2022 starteten die Planungsarbeiten, ein Jahr später folgte die Strassenplanauflage. Wegen des bevorstehenden Sechsspurausbaus der Autobahn war der Terminplan gedrängt. Da der Knoten ausserhalb des Siedlungsgebiets liegt und bereits über ausreichende Flächen verfügte, musste kein zusätzliches Land erworben werden. Die Ausführungsplanung erfolgte im Frühling 2024. Die Bauarbeiten dauerten von Herbst 2024 bis Frühling 2025, wobei im September der Deckbelag eingebaut und Ende November die letzten Pflanzarbeiten erfolgten.

Ökologische wertvolle Grünräume
Durch die Neugestaltung als Kreisverkehr konnte die Belagsfläche deutlich verringert werden. Zu Beginn war für die frei gewordenen Flächen lediglich eine Blumenwiese vorgesehen. «Mir war es persönlich wichtig, mehr Biodiversität ins Projekt reinzubringen und einen Mehrwert aus den nicht mehr benötigen Flächen herauszuholen», erzählt Sabine Zehnder, die zuständige Projektleiterin Strassenbau im Oberingenieurkreis IV. Sie setzte sich dafür ein, dass anders als bis anhin üblich, bereits in der Ausführungsplanung und im Bauablauf vertiefte Überlegungen hinsichtlich ökologischer Massnahmen gemacht wurden. Somit konnten die biodiversitätsfördernde Grünraumgestaltung ohne grossen Mehraufwand ins Projekt integriert werden. Ökologische Vielfalt entlang von Strassen steht aus Klimasicht zunehmend im Fokus, besonders auch in Bezug auf die Reduktion von Hitzeinseln. Im Oberingenieurkreis IV beschäftigt man sich deshalb schon länger mit der ökologischen Gestaltung von Grünflächen. Die Erfahrungen des Strassenunterhalts zeigen, dass eine standortgerechte, «wilde» Bepflanzung nicht nur ökologisch ist, sondern auch den Pflegeaufwand vermindert.
Beim neuen Kreisel Winkel wurden die nicht mehr benötigten Flächen mit Kies befüllt und mit einer einheimischen Wildblumenansaat begrünt. «Üblicherweise wird am Jurasüdfuss Jura-Mergel verbaut. Aufgrund des hohen Kalkgehalts verdichtet er sich schnell und schlämmt aus. Daher setzten wir den teureren Reutiger-Mergel ein. Sein höherer Tonanteil sorgt dafür, dass Wasser im Untergrund besser gehalten wird und damit gute Bedingungen für die Vegetation schafft», erklärt Sabine Zehnder. Sie richtete ein besonderes Augenmerk darauf, dass der Unternehmer das richtige Material auf die Baustelle brachte. Der Absatz unterhalb der Stützmauer ist nun von wucherndem Berufkraut (invasive Neophyten) befreit. Der Oberboden wurde abgetragen und durch eine für den Strassenbau typische gebrochene Kiesmischung ersetzt. Es erfolgte eine standortgerechte Ansaat und Bepflanzung mit Wildstauden sowie einheimischen, trockenheitsverträglichen Sträuchern. Östlich der Wangenstrasse wurde die bestehende Grünfläche mit Stein-, Sand- und Totholzstrukturen, einem Krautsaum entlang vom Wäldchen und einem kiesigen Magerstandort aufgewertet.

Leuchtturmprojekt
Dank des Kreisels ist die Situation für den Verkehr nun übersichtlicher, die Geschwindigkeit und die Wartezeit reduzieren sich. Die Mehrkosten für die ökologischen Massnahmen machen von den insgesamt 1,7 Millionen Franken Projektkosten nur einen kleinen Teil aus. Projektleiterin Sabine Zehnder hofft, dass das Projekt Winkel künftig als Vorbild dient und eine ökologisch wertvolle Gestaltung des Strassenraums selbstverständlich wird. Sie ist zufrieden mit dem Projekt, sieht aber auch noch Verbesserungspotenzial: «Wir haben das bestmögliche umgesetzt. Ob es gelungen ist, zeigt sich in ein bis zwei Jahren, wenn die Pflanzen gewachsen sind. Bei einem nächsten Projekt würde ich jedoch noch mehr bautechnische Details in den Plan aufnehmen, um das Verständnis bei allen Beteiligten von Anfang an zu fördern.»

Neubau Strassenüberführung Bolligenstrasse

Die SBB baut im Auftrag des Bundes auf der Bolligenstrasse eine neue Überführung über die Bahngleise zwischen Wankdorf und Ostermundigen. Die ehemalige Strassenbrücke musste durch eine längere Brücke ersetzt werden, weil das Trassee von drei auf fünf Gleise ausgebaut wird. Gleichzeitig wurde die Brücke verbreitert, damit Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende mehr Platz erhalten.
Der Ersatzneubau der Brücke Bolligenstrasse ist Teil des Bahn-Grossprojekts «Entflechtung Wankdorf Süd – Ostermundigen», das im Ausbauschritt 2025 des Bundes verankert ist. Ziel ist es, Personen- und Güterverkehr im Raum Bern besser zu entflechten und die Kapazität im Bahnknoten Bern deutlich zu erhöhen.
Wir befinden uns im Schnittpunkt zwischen drei Grossprojekten», erklärt Kristin Reis, Projektleiterin beim OIK II mit Schwerpunkt Kunstbauten: Die bereits abgeschlossene Korrektion der Bolligenstrasse durch den Kanton, der geplante Bahnausbau sowie der geplante Ausbau des Anschluss Wankdorf durch das Bundesamt für Strassen ASTRA. Alle drei Projekte wurden eng aufeinander abgestimmt. Um Behinderungen der verschiedenen Baustellen untereinander zu vermeiden, wurde der Brückenneubau aus dem Bahnprojekt herausgelöst, vorgezogen und über einen kantonalen Strassenplan bewilligt. «Dies ist wirklich ein besonderes Projekt, aber die Zusammenarbeit klappt bisher ohne nennenswerte Probleme», erklärt Kristin Reis.

Besonders anspruchsvoll waren die Abbrucharbeiten und das Einheben der Brückenteile, die aus Sicherheitsgründen in der Nacht stattfinden mussten, wenn keine Züge fuhren. Trotz der schwierigen Situation – unten der Bahnverkehr, oben Arbeiten in unmittelbarer Nähe zu Starkstromkabeln – gab es keine Unfälle.


Die Verantwortung für Planung, Verträge und die Hauptbetreuung des Projekts liegt bei der SBB. Das TBA als zukünftiger Brückeneigentümer ist seit dem Vorprojekt in den Bauprozess eingebunden, übernimmt beratende Aufgaben und formuliert die Anforderungen an die neue Brücke. So stellt der Kanton sicher, dass das Bauwerk langfristig den betrieblichen und unterhaltsmässigen Ansprüchen entspricht.
Mit den Arbeiten für den Brückenersatz wurde im März 2023 begonnen; sie dauern voraussichtlich noch bis in den Frühsommer 2026 an. Der Einbau des Deckbelags ist im April dieses Jahres geplant. Bis dahin laufen noch verschiedene Restarbeiten an der Tragkonstruktion, an Entwässerung und Ausstattung. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 24.8 Millionen Franken. Der Kanton bezahlt einen Anteil von 5.4 Millionen Franken.
Die neue Brücke wird bei Fertigstellung eine Spannweite von 31 Metern und eine Breite von 28 Metern aufweisen. Herausfordernd war insbesondere, dass der Brückenersatz unter laufendem Bahn- und Strassenbetrieb stattfinden musste. Der Ersatz der nördlichen und südlichen Brückenhälfte erfolgte deshalb gestaffelt: Der Verkehr wurde jeweils über die andere Brückenseite geführt, damit die Verbindung jederzeit gewährleistet blieb.


Für Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende wurde auf der Nordseite der Bolligenstrasse eine provisorische Stahlbrücke erstellt. So blieb die Überquerungsmöglichkeit für den Langsamverkehr auch während des Brückenabbaus erhalten. Nach Fertigstellung der neuen Brücke wird dieses Provisorium wieder rückgebaut.
«Mit der neuen, breiteren Brücke und dem ausgebauten Bahntrassee stehen dem Bahn-, Strassen- und Langsamverkehr im Raum Wankdorf–Ostermundigen künftig deutlich mehr Kapazität, sichere und attraktivere Verbindungen zur Verfügung,» sagt Kristin Reis abschliessend. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zu einem leistungsfähigen Verkehrsknoten für die Region Bern.

Hochwasserschutz und Natur an der Birs vereint

Seit 1900 präsentierte sich die Birs zwischen Court und Sorvilier über Jahrzehnte hinweg als begradigter und verbauter Kanal, der besonders im Herzen des Dorfes Court gefährliche Hochwasserabflüsse verursachte. Im Rahmen des Wasserbauplans Birs Court/Sorvilier konnte der Flussabschnitt inzwischen so umgestaltet werden, dass Hochwasserschutz, natürliche Lebensräume, Grundwasserschutz und Naherholung wieder im Einklang stehen.
Die Grundlage des Projekts entlang der Birs bildet der Regionale Entwässerungsplan Birs (REP Birs). Bei der Planung wurden sowohl der traditionelle Hochwasserschutz als auch die Renaturierung mitberücksichtigt. Zusätzlich baut die Planung auf bereits bestehende Projekte wie die Nationalstrasse N16 sowie die umfassende Melioration in Court auf.



Komplexe Rahmenbedingungen
Die Idee zur Revitalisierung des mittleren Bereichs der Birs entstand Ende der 1990er-Jahre im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) der Nationalstrasse. Die Überschwemmungen 2007 in Court stärkten den Hochwasserschutzwillen, so dass die Projektentwicklung im Jahr 2008 begonnen werden konnte. Planung und Bewilligungen zogen sich bis 2023 hin.
Die Kombination von Hochwasserschutz, Ökologie, Ersatzmassnahmen der Nationalstrasse N16 und bestehende Nutzungen musste auf engem Raum umgesetzt werden. Das Tiefbauamt konnte im Zuge der Bodenverbesserung entlang der Nationalstrasse erfreulicherweise ein 20 000 Quadratmeter grosses Grundstück für die Renaturierung erwerben. Zudem erforderte die Abstimmung mit zwei Gemeinden sowie verschiedenen kantonalen und nationalen Akteuren eine intensive Koordination. Hinzu kam die etappenweise Überarbeitung des Projekts mit Anpassungen an neue Vorgaben zu Naturgefahren, Finanzierung und Subventionen. Für den Bereich Court/Sorvilier belaufen sich die Investitionskosten des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts auf rund 4,2 Millionen Franken (Schutz- und Messinfrastruktur).
Koordination und Umsetzung vor Ort
Die Gemeinde Court hatte sich nach den Überschwemmungen von 2007 früh und klar für das Projekt ausgesprochen. Sorvilier zögerte länger, trat zeitweise aus dem Projekt aus und schloss sich später wieder an. Diese unterschiedlichen Haltungen führten dazu, dass zeitweise mit zwei getrennten Projekten geplant wurde, um die Massnahmen in Court unabhängig realisieren zu können und gleichzeitig die Tür für eine gemeinsame Lösung offen zu halten. «Alle betroffenen Partner einzubeziehen erforderte besondere Anstrengungen. Trotz der vielen Verhandlungen verlief das Projekt letztlich erfreulich positiv: In Sorvilier gab es nur wenige Einsprachen, in Court gar keine», berichtet Phillippe Fallot, Projektleiter Wasserbau beim OIK III. «Die Gemeindebehörden scheuten keine Mühen, um eine maximale Subventionierung zu erreichen und zusätzliche finanzielle Unterstützung zu finden, damit das Projekt die Gemeindefinanzen nicht übermässig belastet.» Im Dorf Court konnte das Hochwasserrisiko durch wirkungsvolle technische Massnahmen deutlich reduziert werden. Besonders hervorzuheben ist die modellierte Umleitungsstrecke für Hochwasser im Bereich der ARA. Überschwemmungen stellen heute kaum noch eine Gefahr dar.
Für die Realisierung des Projekts war auch der Einbezug des Abwasserverbands erforderlich, da dessen Hauptleitung verlegt werden musste. Zudem mussten die Parzellen einiger Landwirte neu aufgeteilt und bestimmte kontaminierte Grundstücke saniert werden.
Die Arbeiten verliefen bisher ohne grössere Zwischenfälle, wenn auch einige Überraschungen auftraten, wie beispielsweise Torfböden in unerwarteter Menge oder zuvor nicht identifizierte Grundwasservorkommen. Der geplante Abschluss der Arbeiten Mitte 2026 kann voraussichtlich eingehalten werden.

Bedeutender ökologischer Gewinn
«Ein Bauwerk wie dieses kann als Generationenprojekt bezeichnet werden», erklärt Philippe Fallot. «Das Zusammenspiel vielfältiger Interessen ermöglichte eine wegweisende Revitalisierung mit effektivem Hochwasserschutz. Der Erfolg war dank des langjährigen Einsatzes der Behörden und der breiten Zustimmung in der Bevölkerung möglich.»
An diesem Abschnitt der Birs verschmelzen Hochwasserschutz, Revitalisierung, Ersatzmassnahmen zum Autobahnbau der N16, Güterzusammenlegung und Gemeindeinteressen zu einem Ganzen. Teiche, Sümpfe, Altarme und neue Mäander dienen gleichzeitig dem Schutz, der Biodiversität und der Naherholung. Die landwirtschaftlichen Flächenverluste bleiben gering, während der ökologische Gewinn im Gewässerraum von grosser Bedeutung ist.